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The Longest Night zu Deutsch Die Längste Nacht ist eine Weihnachtsgeschichte, welche die Autorin Kate Cary 2015 auf ihrer Facebookseite veröffentlichte.

ÜbersetzungBearbeiten

Teil 1

Graustreif erreichte noch einen Kiefernzapfen und hakte ihn an die Seite des Ältestenbaus.
Millie stupste ihren Gefährten an. "Schieb ihn ein bisschen höher."
"Ich kann ihn nicht mehr erreichen", schnaufte Graustreif, seine Hinterbeine zitterten.
Der DonnerClan schmückte das Lager für die Zeremonie der Längsten Nacht. Lerchenjunges und Blattjunges stürmten durch den Farn am Rande des Lagers, ihre Pelze prickelten vor Aufregung. Honigjunges saß neben Eichhornschweif, während die Zweite Anführerin des DonnerClans ein Stück Stechpalme über dem Eingang des Kriegerbaus festmachte. Die weiße Kätzin hielt einen Kiefernzapfen zwischen ihren Pfoten. "Kann ich diesen hier aufhängen?", fragte sie schüchtern.
"Natürlich." Eichhornschweif duckte sich. "Kletter auf meine Schultern. Versuch ihn neben der Steckpalme festzumachen."
Als Honigjunges auf Eichhornschweifs Rücken kraxelte, schnurrte Lilienherz liebevoll. Die Königin stand neben Millie. "Ich werde für die drei jeweils eine Maus unter dem Nest verstecken, während sie schlafen.", teilte sie mit.
Graustreif sank auf alle Viere. "Ich habe für die drei einen neuen Moosball gemacht.", flüsterte er, wobei er ein Auge auf die Jungen warf. "Häherfeder hat mich ein paar Stängel Katzenminze im Moosball verstecken lassen, damit es mehr Spaß beim Spielen macht." Lillienherz blinzelte gerührt. "Danke, Graustreif. Sie werden es lieben."
Während sie sprach, rief Brombeerstern vom Hochfelsen: "Alle Katzen, die alt genug sind Beute zu fangen, mögen sich versammeln, um meine Worte zu hören!" Er betrachtete die Jungen streng, als sie ihren Gefährten hoffnungsvoll auf die Lichtung folgten. "Ihr nicht. Die Neuigkeiten sind nur für Krieger-Ohren..."


Teil 2

Während Graustreif seinen Clangefährten auf die Lichtung folgte, um anzuhören, was Brombeerstern mitzuteilen hatte, zwinkerte er Lerchenjunges, Honigjunges und Blattjunges mitfühlend zu. Lilienherz scheuchte sie in die Kinderstube. Es war viele Monde her, seitdem seine eigene Mutter ihn von Clan-Versammlungen weggeschickt hatte. Das war noch, als Blaustern Anführerin gewesen war. Bevor Feuerstern dem DonnerClan beigetreten ist. Trauer umhüllte sein Herz, als er an seinen alten Freund dachte.
Nachdem er den Schatten des Hochfelsens erreichte, seufzte er. Die Längste Nacht wird nicht dieselbe sein ohne Feuerstern. Als Feuerstern und er jünger waren, hatten sie Geschenke wie Wühl- und Spitzmäuse vor dem Ältestenbau hingelegt, während der Clan schlief. Nun bin ich ein Ältester, dachte er. Er setzte sich hinter Weißflug und Mohnfrost und fragte sich hoffnungsvoll, ob auch die jungen Katzen für ihn ein Geschenk hinterlassen würden.
Millie schlängelte sich zwischen Beerennase und Maulwurfbart vorbei und setzte sich neben ihn. Sie schaute besorgt zu Brombeerstern. "Er wirkt angespannt."
Graustreif folgte ihrem Blick. Der Clan-Anführer ging auf dem Hochfelsen auf und ab, während der Clan sich unter ihm versammelte.
Lilienherz quetschte sich neben ihn. Sie blickte zur Kinderstube. "Die Jungen sind so aufgeregt wegen der Längsten Nacht. Ich hoffe, sie werden im Laufe der Versammlung leise sein." Solange sie sprach, ertönten piepsige Stimmen aus dem Brombeer-Bau.
"Das ist nicht fair!", beklagte sich Blattjunges.
"Warum dürfen wir nicht mithören?", erklang Lerchenjunges Stimme.
"Seid leise!", miaute Honigjunges aufgeregt. "Lilienherz hat gesagt, dass der SternenClan uns keine Geschenke geben wird, wenn wir so laut bleiben!"
Lilienherz setzte sich selbstbewusst auf, als Weißflug und Mohnfrost sich umdrehten und sie belustigt ansahen. "Wenn sie nur nicht so laut miauen würden", ärgerte sie sich.
"Es sind nur Jungen", erinnerte Graustreif sie. Er konnte die frische Maus in ihrem Atem riechen. Sein Magen knurrte und er lehnte näher an Millie. "Ich hoffe, dass das, was Brombeerstern Sorgen bereitet, was auch immer es sein mag, nicht allzu lange dauert. Ich habe Hunger." Er warf einen langen Blick auf den Frischbeutehaufen. Nur eine magere Drossel war noch übrig. Der Clan steckte mitten in der tiefsten Blattleere. Aber ab morgen würden die Tage wieder länger werden und die Beute würde in den Wald zurückkehren. Brombeerstern unterbrach Graustreifs Gedanken. Er blickte vom Hochfelsen hinunter, Besorgnis glitzerte in seinen Augen. "Der SternenClan hat mit Häherfeder gesprochen."
Graustreif drehte sich um, um zu dem DonnerClan-Heiler hinüberzuschauen, der im Eingang seines Baus saß, seine blinden blauen Augen unleserlich, als Brombeerstern fortfuhr.
"Wolkenhimmel warnte, dass die Längste Nacht möglicherweise niemals enden wird."
Beunruhigtes Miauen machte sich im Clan breit. Ein alarmiertes Quieken ertönte aus der Kinderstube. Blattjunges spähte heraus. "Bedeutet das, dass wir keine Geschenke kriegen werden?"
Brombeersterns Blick zuckte zu dem Jungen. "Ich wünschte, dass das alles wäre, was es bedeutet", grollte er düster.
Graustreifs Magen zog sich zusammen. Die Längste Nacht würde möglicherweise niemals enden. Was könnte der SternenClan meinen? Er blickte auf in den Himmel. Dicke Schneewolken sammelten sich über der Senke. Millie rückte näher an ihn heran, sodass ihr weiches Fell seines streifte, und rief zu Brombeerstern herauf: "Hat der SternenClan gesagt, was wir tun sollen?"
Brombeerstern erwiderte ihren Blick ausdruckslos. "Sie sagten, dass der Morgen nur zurückkehren würde, wenn wir den Stern gefunden haben."


TEIL 3

Graustreif stolperte durch den dichten Schnee, der die Lichtung überschwemmte. Die Gräben, die der DonnerClan gestern gegraben hatte, waren bereits so tief mit frischem Schnee gefüllt, dass seine Pfoten die gefrorene Erde darunter nicht erreichen konnten.
Er schauderte, als die eiskalte Luft durch seinen Pelz drang. Es fiel immer noch Schnee und der Himmel war so dunkel wie er seit der Längsten Nacht war. Schneestürme hatten im Wald drei Tage lang verheerende Schäden angerichtet. Zumindest der Wind hatte sich diesen Morgen gelegt, und durch die unheimliche Stille hindurch konnte Graustreif Zweige unter dem Gewicht des Schnees knarren und knacken hören.
"Ich bin am verhungern." Honigjunges' klagendes Miauen tönte durch die schneebedeckte Wand der Kinderstube.
"Wir werden bald jagen können", versprach Lilienherz. Graustreif hoffte, dass die Königin recht hatte. Die Schneestürme hatten das Jagen unmöglich gemacht.
Ein Schneeklumpen landete neben ihm. Er schaute hoch. Brombeerstern sah vom Hochfelsen hinunter. "Die Schneestürme haben aufgehört", bemerkte Graustreif hoffnungsvoll. "Vielleicht ist die Längste Nacht zuende."
"Wir haben den Stern noch nicht gefunden", knurrte Brombeerstern düster.
Graustreifs Magen zog sich zusammen, als er sich an die Prophezeiung des SternenClans erinnerte. Die Längste Nacht wird nicht enden, bis ihr den Stern gefunden habt.
Der DonnerClan-Anführer blickte zum Himmel. Dunklere Wolken zogen heran. "Es sieht so aus, als wäre ein weiterer Schneesturm auf dem Weg."
"Wir sollten jagen solange wir können", riet Graustreif ihm. "Ich habe schon zwei Patrouillen ausgesendet." Brombeerstern nickte in Richtung Eingang, wo der Schnee von Pfoten aufgewühlt worden war.
"Ich gehe los und helfe ihnen". Graustreif konnte nicht in seinem Bau bleiben, während seine Clangefährten verhungerten.
"Es ist zu kalt", warnte Brombeerstern ihn. "Dein Pelz ist nicht mehr so dick wie er einmal war. Du solltest bei Millie bleiben."
Graustreif warf ihm einen wütenden Blick zu. "Mein Pelz ist dick genug," knurrte er. "Und bei Schnee wie diesem wird Beute schwer zu finden sein. Ich möchte meinem Clan helfen."
Brombeerstern nickte. "Dann werde ich mit dir kommen." Er kletterte den Felsen hinunter, wobei er Schnee über Graustreif sprühte.
Graustreif schüttelte ihn von seinem Pelz. Er witterte einen eisernen Geschmack in dem stärker werdenden Wind. Der neue Schneesturm kam schnell näher. "Wir haben nicht viel Zeit."
Brombeerstern fing seinen Blick, Angst glitzerte in den bernsteinfarbenen Tiefen. "Beeilen wir uns."
Gemeinsam bewegten sie sich zum Ausgang.


TEIL 4

Der Wind wehte Schnee von den Zweigen, als Brombeerstern und Graustreif sich durch den stärker werdenden Wind schoben.
Brombeerstern wurde langsamer. "Wir sollten zum Lager zurückkehren."
"Wir haben gar keine Beute gefangen." Graustreif schüttelte seinen Pelz aus. Schnee klebte an seinem Fell, die Spitzen waren gefroren. Seine Pfoten brannten in der eisigen Kälte. "Lilienherz' Jungen sind am verhungern."
"Wir werden ihnen nicht helfen wenn wir uns in diesem Sturm zu Tode frieren." Brombeerstern sah ihn ernst an.
Graustreif schob sich weiter durch den Schnee. "Da vorne ist ein Mäusenest. Ich habe es vor Monden entdeckt. Es war immer eine gute Stelle zum Jagen in der Blattleere." Er blickte über seine Schulter zu Brombeerstern. "Du kehrst um."
"Ich lasse dich nicht allein."
"Du musst schauen, ob die anderen Patrouillen sicher nach Hause gekommen sind. Sie sind wichtiger für den Clan als ich." Graustreif sah ein Zögern in den Augen des DonnerClan-Anführers aufblitzen und wusste, dass er einen Nerv getroffen hatte. "Der Clan braucht dich. Ich kann auf mich selbst aufpassen", drängte er ihn. "Das Nest ist nur einige Schwanzlängen voraus. Ich werde es überprüfen und dann zur Senke zurückkehren."
"In Ordnung", gab Brombeerstern nach, "aber lass dir nicht zu viel Zeit." Er neigte seinen Kopf, dann drehte er um in Richtung Lager.
Der Wind heulte und ließ die Bäume schwanken. Schnee peitschte zwischen den Stämmen hindurch. Graustreif verengte seine Augen, als Schneeflocken in seinem Gesicht brannten. Als er auf die große Eiche zuging, wurde er von Erinnerungen überflutet. Er hatte an einem fast genauso verschneiten Tag mit Feuerstern gejagt. Sie waren beide Pfoten gewesen, in den Tagen bevor sie zum See gekommen waren, und hatten darum gewetteifert, wer die fetteste Maus nach Hause zum Frischbeutehaufen bringen konnte.
Sein Magen knurrte vor Hunger, was ihn aus seinen Gedanken riss. War das Mäusenest immer noch hier? Würde er es finden wenn er tief genug grub?
Ein feuriger Blitz fiel in sein Auge. Er erstarrte und schaute zwischen die Bäume. Durch den Nebel aus wirbelndem Schnee konnte er einen orangenen Pelz ausmachen. Ein Kater! Hatte sich ein Hauskätzchen im Sturm verlaufen?
Der Pelz des Katers schien zu funkeln, als hätten sich Sterne in seinem Fell vergangen. Graustreif hielt den Atem an, als ein alter, bekannter Geruch seine Nase erreichte. Zwei grüne Augen blitzten, als der Kater sich umdrehte um ihn anzusehen.
Graustreifs Herz machte einen Sprung. "Feuerstern!" Er hievte sich durch den dichter werdenden Schnee.
Feuerstern blinzelte als er ihn sah. "Graustreif? Bist du es?"
"Natürlich bin ich es!" Graustreif erreichte seinen alten Freund, Freude erfüllte seine Brust. "Was machst du hier im Wald?"
Feuerstern sah ihn düster an. "Ich vermisse meine alten Clangefährten."
"Aber du hast doch jetzt den SternenClan." Graustreif starrte ihn überrascht an. Wer würde die sonnigen Wiesen der ewigen Jagd verlassen wollen, um hier her zu kommen?
Feuerstern schien ihn nicht zu hören. Zuneigung schien in seinen runden grünen Augen. "Es tut so gut, dich zu sehen. Wie geht es dem DonnerClan? Wie war die Längste Nacht? Hast du Geschenke für die Ältesten versteckt?"
Graustreif berührte mit seiner Nase behutsam Feuersterns Wange. "Ich bin jetzt ein Ältester, erinnerst du dich?"
"Du?" Feuerstern blinzelte ihn an.
"Du musst das wissen", miaute Graustreif sanft.
Feuerstern schloss seine Augen um seinen Kummer zu verbergen. Graustreif lehnte sich an ihn. "Es tut auch gut, dich zu sehen. Aber du kannst hier nicht bleiben. Geh zurück zum SternenClan. Der DonnerClan ist nie weit weg. Wir behalten dich in unseren Herzen und werden es immer tun."
Die Sterne in Feuersterns Pelz schienen intensiver zu funkeln, als der Sturm um sie herum peitschte. "Aber ich vermisse dich."
"Du musst zurückgehen." Die Prophezeiung zuckte durch Graustreifs Gedanken. Die Längste Nacht wird nicht enden, bis ihr den Stern gefunden habt. "Der SternenClan braucht dich. Wir haben jetzt Brombeerstern. Er ist ein großartiger Anführer. Du hast eine gute Wahl getroffen, als du ihn zum Zweiten Anführer gemacht hast. Der DonnerClan ist sicher mit ihm."
"Ich weiß." Feuerstern berührte Graustreifs Wange mit seiner Schnauze. "Aber zu gehen ist schwer."
"Ich vermisse dich", hauchte Graustreif. "Aber ich werde bald genug bei dir sein." Während er sprach, begann Feuersterns feuerroter Pelz zu verblassen. Die Sterne in seinem Fell wurden dunkler und erloschen. Er wurde blasser, bis nur noch Pfotenabdrücke zeigten, wo er gestanden hatte.
"Auf Wiedersehen." Trauer überschwemmte Graustreif, als der Wind Feuersterns zurückgebliebenen Geruch verschwinden ließ. Plötzlich hörte der Schnee auf. Der Wind beruhigte sich und die Bäume begannen, wieder stillzustehen. Stille ergriff den Wald. "Ich habe dem Stern gefunden." Der Schneesturm war vorbei. Die Längste Nacht war endlich vorüber.
Graustreifs Herz wurde leichter, als er die Beute unter dem Schnee scharren hörte. Mäuse! Lilienherz' Jungen würden heute essen können. Die Erinnerung an Feuerstern brannte hell in seinen Gedanken, als er begann, eifrig nach dem Mäusenest zu graben.

QuellenBearbeiten

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